
Meistens bleiben sie unbeachtet, die Spurenelemente. Vielleicht liegt es ja an ihrem Namen. Aber auch wenn nur kleine Spuren in Mensch und Tier nachweisbar sind, spielen sie eine entscheidende Rolle im lebenden Organismus. Jod, Selen, Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan und Zink sind zum Beispiel zu 90% an enzymatischen Vorgängen beteiligt. Man sollte dazu wissen, dass Enzyme als Biokatalysatoren alle Stoffwechselvorgänge des Organismus am Laufen halten und somit lebenswichtig sind. Zink zum Beispiel hat seine Finger überall mit im Spiel. 12 –15g befinden sich im Körper eines ausgewachsenen Pferdes. Bevorzugt kommt es in bestimmten Organen wie Fell, Augen, Hoden, Leber, Bauchspeicheldrüse und Knochengewebe vor. Ein Mangel dieses Spurenelements tritt daher immer zuerst hier auf. Und das kann schnell der Fall sein, wenn das Zinkdepot nicht täglich über die Nahrungsaufnahme aufgefüllt wird. Da Zink an unzähligen Stoffwechselprozessen beteiligt ist, wird es nach Gebrauch über den Schweiß und bei körperlichen Belastung auch mit dem Urin wieder ausgeschieden.
Funktionen von Zink
1. Zink ist maßgeblich an einer funktionierenden Immunabwehr beteiligt, die Krankheitserreger wie Vieren, Bakterien und Pilze abwehrt oder in Grenzen hält.
2. Große Bedeutung hat Zink bei der Bildung von Hormonen, die das Zellwachstum und die Zellerneuerung steuern. Dazu gehören das Wachstum vom Fohlen bis zum ausgewachsenen Pferd, die Regeneration von verletztem Gewebe, wozu auch das Schließen und Verheilen von Wunden zählt und die Neubildung von Haar – und Hautzellen.
3. Vitamin A, das für die Bildung der Schleimhäute, für die Haut und die Sehkraft eine tragende Rolle spielt, kann ohne die Mitwirkung von Zink nicht erschlossen werden.
4. Zink unterstützt die Entgiftung des Körpers. Bei Schwermetallvergiftungen mit zum Beispiel Quecksilber oder Blei können verstärkte Gaben des Spurenelements diesen Prozess beschleunigen.
5. Da Zink an der Hormonproduktion beteiligt ist und die Bildung der Schleimhäute (Gebärmutterschleimhaut) unterstützt, trägt es in bedeutendem Maße zur Fruchtbarkeit der Stute bei. Zusätzlich kommt Zink stark konzentriert im Sperma des Hengstes vor und beeinflusst so Anzahl und Qualität der Spermien.
Symptome eines Zinkmangels
1. spröde, brüchige Hufe
2. stumpfes, struppiges Fell, Haar – und Hautprobleme bis zur Schuppenbildung
3. Jucken der Schweifrübe bis zum Sommerekzem
4. Hufwachstumsstörungen bis hin zur Huffäule
5. Appetitlosigkeit, Abmagerung
6. Anfälligkeit für Infekte wie Erkältungserkrankungen, Viruserkrankungen (Herpes, Warzenbildung)
7. Mauke
Wann kann ein Zinkmangel entstehen
Bei reiner Weidehaltung und unzureichender Zufütterung von strukturierter Rohfaser, wird die Leber durch die hohe Eiweißzufuhr verstärkt beansprucht. Sie muss laufend entgiftet werden, was die Menge des benötigten Zinks in die Höhe treibt. Außerdem behindert diese Eiweißüberfütterung die Arbeit der im Darm lebenden Mikroorganismen. Daraus ergeben sich Funktionsstörungen, die die Aufnahme der Spurenelemente stark behindern. Eine ständige ausschließlich auf Getreide ausgerichtete Fütterung kann zu einer erheblichen Unterversorgung mit Spurenelementen führen. Die im Getreide enthaltene Phytinsäure bindet Zink und entzieht es so der weiteren Verwendung. Dazu kommt, dass bei einer solchen Fütterung ein Stärkeüberschuss auftreten kann, der wiederum das Gleichgewicht der Mikroorganismen empfindlich stört. Stress verbraucht Zink. Gerade Sport – und Ausbildungspferde sind davon betroffen. Bei Stress wird gehäuft körpereigenes Cortison ausgeschüttet, das die Wirkung von Zink stark beeinträchtigt. Zusätzlich wird durch die hohe körperliche Beanspruchung eine große Menge von Spurenelementen über den Schweiß abgegeben. Aber selbst bei dem gesunden, artgerecht gehaltenen Pferd können Mangelerscheinungen auftreten, da die Böden durch eine intensivierte Nutzung immer weiter ausgelaugt werden und somit die darauf angebauten Futtermittel arm an Spurenelementen sind.
Wann sind Zinkgaben sinnvoll
1. Fellwechsel
2. Trächtigkeit und Laktation
3. Heilung von Wunden und Geschwüren
4. nach Operationen
5. hohe Belastungen auf Turnieren
6. verstärkter Deckeinsatz von Hengsten
Aufnahme von Zink
Ein ausgewachsenes Pferd (500kg) muss zwischen 300 bis 550 mg Zink am Tag über die Verdauungsorgane aufnehmen. Dabei hängt die Erschließbarkeit für den Organismus stark von der Art der Zinkverbindung ab. Organisch gebundenes Zink (Zinkoxid, Zinksulfat) kann effektiver genutzt werden als industriell erzeugte „Ergänzungspülverchen“. Sie sind zwar viel teurer, können aber wegen ihrer kleinen Dosierung andere Spurenelemente nicht verdrängen. Zink kommt vor allem eiweißgebunden vor. So ist Hafer mit etwa 40 mg Zink pro kg der Hauptlieferant, wobei die Bindung des Spurenelements an die bereits genannte Phytinsäure dessen Ausnutzung erschwert. Beste Voraussetzungen kann man mit einer rohfaserreichen Fütterung schaffen. So wird die Darmflora optimal unterstützt, die letztendlich für eine erfolgreiche Resorption der Nährstoffe verantwortlich ist.