Wertvolle Tipps für Ernte, Einkauf und Lagerung!
Text: Christine Lange
Foto: Escher
Auch wenn es uns wehmütig stimmen mag: Der nächste Winter kommt bestimmt.... und dann muss genügend Heu, Heulage und Stroh für unsere Pferde vorhanden sein. Da gerade diese Grundfuttermittel in hohem Maße mit über Gesundheit und Leistungsvermögen entscheiden, heißt es: Augen auf bei Futterkauf und Lagerung! Hier wertvolle Tipps, die Halter in Eigenregie ebenso betreffen wie Einsteller im Pensionsstall.
Im Augenblick stecken die meisten Pferde noch die Nasen in frisches Weidegrün. Doch die erste Heuernte ist bereits eingefahren und in den Scheunen der Landwirte duftet es aromatisch. Die Bedingungen der Heuernte haben entscheidenden Einfluss auf die Qualität des wichtigsten Grundfuttermittels. Gutes Pferdeheu von artenreichen Wiesen, das gesunde Energie durch wertvolle Kohlehydrate bereitstellt und den Organismus durch die in der Vielfalt von Gräsern, Kräutern und Kleesorten enthaltenden Vitamine und Mineralstoffe stärkt, ist leider rar. Das Ende der Grasblüte war die beste Zeit für den Schnitt. Dann hatten die Pflanzen die richtige Struktur und Masse, Rohfaser- und Kalziumgehalt waren optimal. Wie lange das geschnittene Gras am Boden trocknen konnte, bis der Wassergehalt auf 18 % abgesunken war, hing von der Witterung ab. Die meisten Pferdehalter waren bei keiner Heuernte dabei und müssen beim Einkauf daher jetzt Augen und Nase „aufmachen“.
So erkennen Sie Qualitätsheu
Zart- bis frischgrüne Farbe und ein angenehmer Geruch „nach Sommerwiese“ zeigen gute Ernte- und Lagerbedingungen und einen hohen Nährstoffgehalt an. Ausgesprochen würzig-aromatischer Duft entsteht durch einen hohen Gehalt an Kräutern. Heu sollte sich „griffig“ anfühlen, also etwas härtere Stengel bei genügend grüner Blattmasse aufweisen. Weiches, zartes Heu ist sehr eiweißreich und muss bei der Verfütterung unbedingt durch genügend Futterstroh ergänzt werden. Späte Ernten bringen verholzte und damit nährstoffärmere Stengel.
Wo einkaufen?
Sie können direkt beim Landwirt oder beim Händler kaufen. Über Mundpropaganda erfahren Sie oft, wer erfahrungsgemäß gutes Pferdeheu liefert. Fahlfarbenes Heu deutet an, dass es nach dem Schnitt geregnet hat. So wurden Kohlehydrate, wasserlösliche Vitamine und Mineralien schon teilweise ausgewaschen. War es hingegen extrem trocken, kann es sein, dass die Blattmasse vorschnell bröckelt. Zu wenig Sorgfalt bei der Ernte - zum Beispiel ein zu tief eingestellter Kreiselmäher - führt zu qualitätsmindernden Verunreinigungen durch Erde, Steine und Staub. Alle diese Qualitätsminderungen können Sie erkennen, wenn Sie genau hinschauen! Und jede muss zu einem deutlichen Preisnachlass führen!
Tipps für den Einkauf
Wenn Sie beim Landwirt oder Händler kaufen:
Überprüfen Sie Gewicht und Qualität. Sind bei frischen Ballen einige schwerer als andere, enthalten sie vermutlich nasse Partien. Generell ist bei kleinen Ballen die Schimmelgefahr geringer als bei Großballen.
Öffnen Sie mindestens drei Ballen aus unterschiedlichen Stapeln und kaufen Sie nur bei guter Qualität.
Vorsicht
Kaufen und verfüttern Sie keinesfalls Heu
-von bleicher Farbe (verregnete Ernte, zu lange Lagerung, geringer Nährstoffgehalt),
-mit bräunlichen bis schwarzen Verfärbungen und/oder brandigem Geruch (Überhitzung während der Lagerung, schwere Verdaulichkeit!),
-mit muffig-faulem Geruch (Schimmelpilzbefall, keinesfalls verfüttern!),
-klammen, feuchten Stellen (Nachtrocknung nicht abgeschlossen, unverdaulich, Kolikgefahr!),
-mit Verunreinigungen durch Erde, Steinchen, wie „Staub“ aussehende Schimmelpilze (nicht verfüttern, da Gefahr für die Gesundheit!),
-mit erkennbar giftigen Pflanzen (Sumpfschachtelhalm, Adlerfarn, Adonisröschen, Herbstzeitlose, Kreuzkraut - behalten auch nach der Trocknung ihre Giftwirkung!).
Heulage wird immer beliebter
Seit die allergischen Erkrankungen zunehmen, werden immer mehr Pferde zur Heu-Abstinenz verurteilt, es sei denn, das Heu wird vor dem Verfüttern aufwendig eingeweicht. So gewinnt die sogenannte staubfreie Anwelksilage oder Heulage an Bedeutung. Zu ihrer Gewinnung lässt der Landwirt das geschnittene Gras lediglich einige Tage weniger oder mehr anwelken, je nachdem, ob daraus Grassilage oder die trockenere Heulage hergestellt werden soll. Dann wird es in Ballen gepresst und in Folie verpackt. Hier gärt es etwa 10 - 20 Tage. Achtung: Da Silage schnell verdirbt, eignet sie sich nur für größere Pferdebestände. Verdorbene Silage oder mitgepresste Fremdkörper führen zu schwersten Erkrankungen.
Augen auf beim Heulage-Kauf
Wenn Sie vom Landwirt Heulage kaufen, sehen Sie meist, wie sie gelagert wurde. Die Ballen können im Freien gelagert werden, müssen jedoch unbedingt aufrecht stehen und regelmäßig auf Beschädigungen der Außenhaut geprüft werden. Sehen Sie Löcher oder aufgerissene Stellen? Dann Finger weg! Denn wo Vögel Löcher hinein picken oder Mäuse die Folie annagen, dringen Schimmelsporen ein und machen die Heulage ungenießbar!
Woran Sie gute Heulage erkennen
Hochwertige Silage sieht von der Zusammensetzung der Gräser-, Kräuter- und Kleearten ähnlich aus wie hochwertiges Pferdeheu. Blätter und Stengel sind gut erhalten. Beim Hineingreifen und Aufnehmen haben Sie ein „griffiges“ Gefühl. Die Halme dürfen nicht aneinander „pappen“, sondern müssen sich locker voneinander lösen - das ist sehr wichtig! Die Farbe sollte weniger grün als eher gelblich sein. Der Geruch muss an würziges Brot oder auch an Früchte (manchmal beispielsweise an Quitten) erinnern.
Vorsicht
- Kaufen oder verfüttern Sie keine Heulage mit zusammen gepressten Halmen und Blättern, die aneinander zu kleben scheinen. Sie ist mit Sicherheit von Schimmelpilzen befallen!
- Hände weg auch von Heulage mit weißlichen, gräulichen oder gar schwärzlichen „Verklebungen“ und Verfärbungen - auf sie trifft das Gleiche zu!
- Höchst gefährlich sind mitgepresste Fremdkörper oder gar Tierleichen in den Ballen. Hier droht schwerste Erkrankungsgefahr mit Todesfolge!
Wichtig
Da Sie beim Heulagekauf normalerweise keine Ballen beim Händler zur Kontrolle öffnen dürfen (da die Heulage sonst verderben würde), kontrollieren Sie jeden Ballen daheim vor der Verfütterung. Bei erkennbaren Mängeln rollen Sie den Ballen sofort beiseite, decken ihn ab, damit kein Pferd davon fressen kann und benachrichtigen Sie den Futtermittellieferanten. Er muss Ihnen den Verlust ersetzen!
Gute Ergänzung: Futterstroh
Auch Getreidepflanzen zählen zu den Gräsern. Die Halme enthalten zwar nur einen geringen Nähr- und Mineralstoffgehalt, dafür aber die für Pferde wichtige Rohfaser. So dient Stroh als Futter und Einstreu sowie der Beschäftigung. Als gutes Futterstroh gilt das von Hafer- und Sommerweizen; Gersten- und Roggenstroh sind besser als Streu geeignet, werden aber auch gern gefressen. Allerdings darf Heu niemals fast oder ganz durch Stroh ersetzt werden, da dessen Holzanteile den Dickdarm verstopfen und zu Anschoppungskoliken führen können.
Woran Sie gutes Futterstroh erkennen
Es ist goldfarben bis gelblich und absolut trocken, fühlt sich rauh und nicht glatt oder gar „schlierig“ und feucht an und riecht so gut wie neutral.
Tipps für den Einkauf
Finger weg:
- Von Ballen mit muffigem, brandigem Geruch. Dieses Stroh ist von Rost- und Brandpilz befallen
- Stroh, das Verunreinigungen durch Erde, Staub und Unkräuter aufweist.
Wichtig - Die richtige Lagerung
Ob Sie Ihr Futter als Halter in Eigenregie selbst lagern oder Ihr Pferd im Pensionsstall steht und aus dem dortigen Futterlager versorgt wird: Die Lagerbedingungen müssen stimmen! Heulageballen können aufgrund ihrer wasserdichten Verpackung im Freien - aufrecht stehend - lagern. Die Ballen müssen dennoch regelmäßig kontrolliert werden, damit solche mit beschädigten Hüllen gar nicht erst zum Verfüttern an den Stall gebracht werden.
Heu und Stroh müssen bei Dämmerlicht, sauber, luftig und trocken aufbewahrt werden müssen. Im Dach darf es keine undichten Stellen geben! In durchdacht gestalteten Reitbetrieben werden Normalballen Heu und Stroh oft oberhalb des Stalles aufbewahrt, so dass die benötigten Mengen durch Luken hinabgereicht werden können.
Auf gute Belüftung achten
Generell gilt: Direkte Lagerung auf Betonboden ist verboten. Entweder wird mit Holzplanken oder sauberem Stroh eine „Belüftungszone“ geschaffen. Auch dürfen weder Klein- noch Großballen zu eng und zu hoch neben- und aufeinander gelagert werden; nach allen Seiten hin muss ein gewisser Luftraum das „Atmen“ gewährleisten, denn frisch gepresstes Heu gibt noch wochenlang Feuchtigkeit nach außen ab. In der Phase des „Nachschwitzens“ vermehren sich Keime besonders stark. Daher darf Heu stets erst nach acht bis zwölf Wochen Lagerzeit verfüttert werden, um weder Koliken noch Hufrehe zu riskieren. Zählen Sie die Wochen nach!
Große Rundballen sind am besten in einer luftigen Scheune - also unter Dach - aufgehoben. Muss die Lagerung im Freien erfolgen, ist mit starken Einbußen nicht nur durch Regen, sondern durch die Taubildung nachts und frühmorgens zu rechnen. Auch hier gilt: Möglichst dicke Planken oder eine großzügige Strohlage unterlegen und zwischen Ballen und Abdeckplane durch aufgelegte Hölzer oder Reifen einen Luftraum schaffen.