
Nach langer Krankheit ist am 13. Januar Renate Weeber im oberbayerischen Steingaden verstorben. Als Tochter eines Musikprofessors und einer Bildhauerin kam sie am 5. Dezember in München zur Welt, wuchs im Ortsteil Bogenhausen auf und schloss dort die Handelsschule ab. Während des zu Kriegszeiten üblichen landwirtschaftlichen Pflichtjahrs, das sie auf dem Gut einer Tante in Sachsen absolvierte, entdeckte Renate Weeber ihre Liebe zu den Pferden.
Nach der Rückkehr in ihre Heimatstadt setzte sie gegen den Willen ihrer Eltern, die sie lieber am Klavier gesehen hätten, durch, dass sie Reitunterricht nehmen durfte, und zwar im Tattersall in Schwabing. Bald hatte die junge Amazone ausreichende Kenntnisse erworben, um selbst Unterricht zu geben und sogar anzuspannen. Fortan fuhr sie Hochzeitspaare in Kutschen durch den Englischen Garten und verdiente sich so ein Taschengeld. Das reiterliche Talent des sportlichen Mädchens, das zudem Rasenhockey und Tischtennis spielte, fiel bald auch an höherer Stelle auf und so wurde die 18-jährige Renate Weeber 1943 als Unteroffizier nach Sachsen abkommandiert zu einer berittenen Einheit. Zwei Jahre später floh sie vor dem Einmarsch der Russen mit zwei Pferden bis an die Elbe und kam dort in amerikanische Kriegsgefangenschaft.
Doch auch hier gab die mutige junge Frau nicht klein bei: Mit einem Fahrrad schlug sie sich bis nach München durch und fuhrt dort fort, im Tattersall Reitstunden zu geben. Bald legte sie sich das erste eigene Pferd zu, bestritt Turniere und wurde 1949 sogar Deutsche Meisterin in der Dressur, im Sattel von Dornröschen, wie sich Tochter Bettina, die in Gilching einen Reitsportladen führt, heute noch erinnert.
Auch in Springen bis zur Kl. S sammelte Renate Weeber Erfolge. 1952 heiratete sie den Apotheker Ernst Weeber, zog mit ihm nach Steingaden und bekam einen Sohn und eine Tochter. Dort betrieb sie einen kleinen Reitstall und nahm weiter erfolgreich an Turnieren teil, bis sie sich ab 1975 voll und ganz auf ihre Richterkarriere konzentrierte. 30 Jahre gab es dann kaum einen Dressurreiter, der nicht irgendwann auf irgendeinem Turnierplatz, bei einem Lehrgang oder Reitabzeichen vor den strengen, aber gerechten Augen von Renate Weeber bestehen musste. 2005 hatte die alte Dame dann das „Richter-Rentenalter“ erreicht, zwei Jahre später starb ihr Mann und in den letzten Jahren war sie durch ihre Krankheit immer mehr ans Haus gebunden.
M.S.