
Gamaschen und Bandagen schaden auf lange Sicht den Pferdebeinen: Grund ist die starke Wärmeentwicklung unter den Beinschützern. Der Physiotherapeut und Osteopath Jochen Lill hat jüngst nachgemessen: Bis 36° C, so Lill, stieg demnach bei seiner Untersuchung mittels Wärmekamera die Temperatur nach einem Springtraining an. Zum Vergleich: Im Ruhezustand und ohne Gamaschen ist das Pferdebein gerade mal knapp 24° C warm. Im BAYERNS PFERDE-Interview, das Ende Juli erscheint, warnt Lill deshalb: „Studien in Großbritannien haben ergeben, dass sich ab 30° C die Leistungsfähigkeit der Sehnen unmittelbar verringert, die Dehnungsfähigkeit ist reduziert. Ab 40° C beginnen die Zellen unwiederbringlich Schaden zu nehmen.
Innerhalb von vier Wochen kann es hier zu regelrechten Funktionsstörungen, wie etwa Lahmheiten, kommen.“ Lills Fazit: „Dauererwärmung schadet den Pferdebeinen enorm!“ Und er fordert: „Nach dem Reiten sofort Gamaschen oder Bandagen runter!“ Das sei beileibe keine Selbstverständlichkeit: „Viele Turnierreiter stellen ihr Pferd bis zur Siegerehrung oder zum Stechen mit Gamaschen auf den Hänger – häufig aus Faulheit, weil man sich ja nicht bücken will.“ Jochen Lill betreibt zusammen mit seinem Bruder Harald ein Rehazentrum für Pferde auf dem Gestüt Katharinenhof bei Antdorf im Kreis Weilheim/Schongau.
VC
Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Augustausgabe von BAYERNS PFERDE. Erscheinungstermin: 28. Juli 2010.