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Sicherheitstechnik - Verbrechen und andere Kleinigkeiten

Sicher ist vor allem eins: Sind die teuren Sättel erstmal weg, bekommt man sie wahrscheinlich nie wieder. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, um Einbrüche zu verhindern.
Geklaut wird immer. In Bayern weist die Kriminalstatistik allein für 2007 knapp 218.000 Diebstähle auf. Und gerade mal 39 % davon wurden aufgeklärt. Zwar nahmen die Klauerei im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 % ab, gleichzeitig stieg der sogenannte Beuteschaden, wie es im Amtsdeutsch heißt, um 0,8 % – auf insgesamt 173,73 Mio. Euro. Wie oft in hiesigen Ställen und Sattelkammern eingebrochen wird, wie viel Sättel und Trensen wegkommen – darüber gibt es allerdings keine gesonderten Zahlen. Wenn es sie gäbe, fielen sie sicher unter die Rubrik „Schwerer Diebstahl“. Denn Sicherheit wird auf hiesigen Reitanlagen eher klein geschrieben. Derlei Nachlässigkeit kann teuer werden, kostet ein Sattel doch nicht selten um die 2500 Euro. Abgesehen davon sind es häufig Sättel, nach denen man lange gesucht hat und die sowohl Pferd als auch dem Reiter optimal passen – da nützt auch die beste Versicherung erstmal nichts.
 
Daten drahtlos und digital
Dabei gibt es viele wie einfache Möglichkeiten, Sättel und Pferde vor fremdem Zugriff zu schützen – zu überschaubaren Preisen. Komfortable Überwachungslösungen ab ca. 500 Euro bietet etwa AVT Alarm- und Video-Technik GmbH an: Mit „Vidilanz“ hat das Aschaffenburger Unternehmen eine kompaktes, drahtloses Produkt im Portfolio, mit der sich an nahezu jedem Ort ein Überwachungssystem einrichten lässt und das durch einen Bewegungsmelder ausgelöst gestochen scharfe Bilder liefert. Das nur handygroße Gerät integriert patentierte Tools für die einfache und gezielte Überwachung. Das neue Sicherheitsmodell ist mit neuester digitaler Kamera-Technologie bestückt, die eine hohe Lichtempfindlichkeit bietet. So soll es auch bei schlechten Lichtverhältnissen hoch auflösende Farbfotos geben. Die Kamera verfügt darüber hinaus auch über ein integriertes Funkmodul, mit dem sich die Aufnahmen einer Überwachung drahtlos an einen PC, Laptop oder Handy übertragen und bei Bedarf sofort auswerten lassen. Dadurch ist eine schnelle Reaktion auf Gefahrensituationen möglich. Das System kann im Dauerbetrieb laufen und liefert bei verdächtigen Bewegungen Bilder. Es lässt sich aber auch individuell durch externe Sensoren an Fenstern, Türen und anderen zentralen Punkten gezielt auslösen. Über ein Zeitprogramm können aktive oder inaktive Überwachungszeiten individuell eingestellt werden. In geschlossenen Räumen wird das Gerät ganz nach Bedarf an strategisch wichtigen Standorten eingesetzt.
 
Eine schnurlose Pferdeüberwachung auf Funkbasis bietet auch die Albert Kerbl GmbH, Buchbach. Bei ihrer „horseCam“ handelt es sich um ein Funkset für Stall und Anhänger. Neben einer Reichweite von bis zu 800m zeichnet sich „horseCam“ noch durch eine Reihe anderer Eigenschaften aus: Die Kamera – ausgestattet mit Nachtsichtoptik und einem Weitwinkelobjektiv von 62 Grad – lässt sich im Stall bzw. im Anhänger befestigen. Die Bilder werden per Funk an einen LCD-Monitor gesendet, eine Überwachung von zuhause ist somit möglich. Optional, so das Unternehmen, kann das Bild auch auf einem Fernsehgerät angezeigt werden. Im Auto wird der Monitor an der Frontscheibe oder dem Lüftungsgitter montiert. Kosten für das komplette Set: ca. 550 Euro.
 
Wer es aufwendiger mag: Die Limburger Sicherheitstechnik Hillebrand & Lotz GmbH bietet mit dem System „Daitem D21“ des Herstellers Atral-Secal (siehe Interview) eine modular erweiterbare Lösung an. In das System lassen sich, wahlweise für den Innen- oder Außenbereich, bis zu 80 (!) unterschiedliche Gefahrenmelder integrieren. Da die Daitem-Melder über codierte Funk-Signale miteinander kommunizieren, können Stallungen, die sich in einem Radius von bis zu 100m von der Alarmzentrale entfernt befinden, problemlos integriert werden, heißt es in der Produktbeschreibung. Speziell für Gehöfte und Pferdeställe, so das Unternehmen, bietet sich zudem ein kombinierter Einsatz mit einem GSM-Telefonwählgerät an. Das arbeitet im Batteriebetrieb – unabhängig von Telefonleitung und Netzanschluss. „Je nach individueller Vorgabe schalten unsere Kunden mit dem GSM-Telefonwählgerät die Alarmanlage ein oder aus. Oder sie regeln einfach nur die Beleuchtung im Stall, sodass eine zuverlässige Überwachung von Boxen, Weide oder Paddock gewährleistet ist“, schwärmt Firmenchef Willi Lotz. Das GSM-Telefonwählgerät alarmiert im Ernstfall den Pferde- oder Stallbesitzer oder leitet die Meldung an die Notfallzentrale eines Wachdienstes weiter. Zur besseren Abschreckung ist auch das Auslösen eines optischen oder akustischen Alarms möglich. Soviel Raffinesse und technisches Know-how hat selbstverständlich ihren Preis: Mindestens 2500 Euro müssen Stallbetreiber für die Grundausstattung hinlegen.
 
Günstiger Schutz bei Feuer: Rauchmelder
Nicht nur Einbruchssicher sollten Ställe sein, auch gegen Feuer kann man sich wappnen. In Sachen Brandmelder gibt es unterschiedliche Systeme. Manche reagieren auf Rauch, andere auf Licht und wieder andere auf Hitze. Der Rauch ist bei vielen Bränden früh feststellbar, Rauchmelder werden deshalb besonders häufig eingesetzt. Da der Qualm auch in einem Stall das größte Problem darstellt und zudem in der Anfangsphase des Brandes viel Rauch entsteht, sind Rauchmelder für einen Stall immer die erste Wahl. Und sie kosten wenig: Batteriebetriebene Geräte schlagen mit 15 bis 45 Euro zu Buche. Einige Hersteller geben bis zu fünf Jahren Garantie. Kaufen kann man sie im Elektro-Fachhandel oder in Baumärkten. Die Geräte sollten jedoch die erforderlichen Prüfzeichen aufweisen, entweder das CE-Zeichen oder den Hinweis auf „GS-geprüft“. Sind diese Prüfzeichen vorhanden, kann sich der Verbraucher darauf verlassen, dass zum Beispiel die Ansprechempfindlichkeit ebenso geprüft wurde wie die Lautstärke des Alarms.
Abzuraten ist hingegen von sogenannten Flammenmeldern, die auf typisches Feuerlicht reagieren aber mitunter auch vom Licht der untergehenden Sonne ausgelöst werden. Einen Schwelbrand erkennen sie erst sehr spät. Bis diese Melder Alarm auslösen, sind die Stallbewohner vermutlich längst erstickt.
Aber auch ein Rauchmelder hat im Stallbereich Nachteile. Dazu gehört unter anderem seine Staubanfälligkeit: Bei erhöhter Staubbelastung (zum Beispiel durch aufgeschütteltes Stroh) kann es zum Fehlalarm kommen. Zudem sorgt die häufige staubige Atmosphäre des Stalles für einen raschen Verschleiß der Geräte. Ihre Sensoren verschmutzen und lösen deshalb gar nicht mehr, zu spät oder eben einen fehlerhafen Alarm aus. Dass Rauchmelderanlage nicht nur robust und stalltauglich ausgesucht sondern zudem fachmännisch installiert werden sollen, ist auch eine Sache des Versicherungsschutzes (siehe unten). Die Räumlichkeiten in einem Stall entsprechen schließlich nicht den gewöhnlichen Raummaßen. Hier muss also Rücksprache mit dem Hersteller gehalten werden, um genügend Daten für eine perfekt Platzierung der Sensoren zu erhalten. Eine falsch geplante und montierte Brandmeldeanlage ist im schlimmsten Fall wirkungslos – und geht selbst in Flammen auf.
[Jessica Kaup/Volker Camehn (Auszüge aus BAYERNS PFERDE 1/09)]
 
Versicherung
„Reitbetriebe sind feuergefährdet“
Baustoffe, Alarmanlagen und abgeschlossene Türen: Was sie in Sachen Diebstahl und Brandgefahr beachten müssen.
 
Diebstahl
Die Versicherung zahlt nur, wenn eingebrochen wird. Zur Sicherheit sollten Sattelkammern in einem festen Gebäude untergebracht sein, mit vergitterten Fenstern oder Rollläden und eine massive, verschließbare Tür haben. Ein Einbruch ist nur dann gegeben, wenn zum Tatzeitpunkt die Tür auch abgeschlossen war. Ein Diebstahl der Pferde kann über eine Weidetierversicherung oder Tierlebendversicherung abgesichert werden – da spielen verschlossene Stalltüren keine Rolle. Geht es um den Diebstahl eines Pferdes, ist dieser über eine Weidetier- oder Lebendtierversicherung auch dann gedeckt, wenn das Pferd von der Weide oder vom Hänger gestohlen wird. Deshalb besteht die Versicherung nicht darauf, den Stall zusätzlich mit Alarmanlagen, Bewegungsmeldern oder gesondert verschlossenen Türen zu sichern.
 
Feuer
Reitbetriebe gelten grundsätzlich als feuergefährdet. Daher gilt es, schon beim Bau so wenig brennbare Baustoffe wie möglich zu verwenden. Elektrische Installationen dürfen nur Fachleute vornehmen und sie sollten mindestens einmal jährlich überprüft werden. Heu und Stroh sollten weit entfernt von den Stallungen und anderen Gebäuden gelagert werden: Empfohlen sind 50m Entfernung zu Gebäuden mit brennbaren Wänden oder weicher Bedachung und 25m zu sonstigen Gebäuden. Ist das nicht möglich, sollte der Betreiber Brandschutztüren einbauen, die immer geschlossen sein müssen. Frisch eingefahrenes Heu und Stroh muss ständig durch ein Messgerät auf die Gefahr der Selbstentzündung hin überprüft werden – bei einer Temperatur von über 60 °C muss die Feuerwehr benachrichtigt werden. Natürlich gehören intakte Feuerlöscher in ausreichender Anzahl unbedingt zur Stallausrüstung. Konkret: mindestens einen Feuerlöscher pro Gebäude. Und die Betriebsangehörigen sollten wissen, wie die Feuerlöscher bedient werden. Rauchen und offenes Feuer sind in Stall und Scheune absolut fahrlässig, entsprechende Schilder müssen Einsteller und Besucher auf das Verbot hinweisen.
 
(Quelle: Stefanie Simon, R+V Versicherung)
 
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