Arthrose: Ist das das Aus fürs Pferd?

Wenn man die Diagnose Arthrose für sein Pferd erhält, ist das erst einmal eine niederschmetternde Nachricht - doch es gibt Möglichkeiten den Vierbeiner schmerzfrei in Bewegung zu halten.

Das Beste für Gelenke: Regelmäßige, ruhige Bewegung auf der Weide oder im Offenstall. (Foto: Pixabay)

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Arthrose ist nicht heilbar. Und: Diese Verschleiß Erkrankung der Gelenke kann eine äußerst schmerzhafte Angelegenheit sein, die nicht selten mit dauerhafter Unbrauchbarkeit des Pferdes endet. Neben Arthroseerscheinungen bei älteren Pferden – hervorgerufen durch Belastung und Abrieb – sind auch junge Pferde nicht vor dieser Krankheit gefeit. Zu frühes intensives Anreiten zählt zu den häufigsten Ursachen für Arthrose bei Jungpferden.

Weitere Ursachen für die Entstehung von Arthrose können sein:

  • Fehlstellungen der Gliedmaßen, entweder angeboren oder verursacht durch schlechte,
    fehlende oder unfachmännisch ausgeführte Hufbearbeitung
  • Übergewicht
  • schlecht gedehnte Bänder sowie schwache Muskulatur in der Umgebung des Gelenke
  • Verletzungen, Traumata (Schlagverletzungen, Muskel- und Sehnenverletzungen)
  • andere Gelenkerkrankungen
  • verletzungsbedingte, andauernde einseitige Belastungen
  • genetische Veranlagungen oder autoimmune Erkrankungen (zum Beispiel Osteolytischer Spat)
  • Nähr- und Vitalstoffmängel sowie ein Überfluss an Eiweiß, Stärke und Kohlenhydraten
  • plötzlich auftretende Gelenksentzündungen (akute Arthritis), oft in Gelenken, die sehr
    beweglich sind (zum Beispiel Fessel- oder Karpalgelenk)
  • schleichende Gelenkentzündungen, oftmals in Gelenken, die keine starke Beweglichkeit
    aufweisen (etwa Krongelenksschale, Knochenspat)
Auf gerader Strecke Schritt reiten: Die Aufwärmphase sollte mindesten 20 Minuten dauern. (Foto: Pixabay)

Das Problem ist: Unsere Pferde stehen die meiste Zeit, salopp formuliert, nur rum. Zu Beginn einer Trainingseinheit ist eine gleichmäßige Belastung im Schritt darum unabdingbar. Um die Gelenkschmiere (Synovia genannt) sowie die Sehnen und Bänder auf Betriebstemperatur zu bringen, muss das Pferd mindestens 20 Minuten Schritt gehen.

 

 

Daran erkennt man Arthrose:

  • Gallen an Gelenken oder schwammige Gelenke
  • im fortgeschrittenen Alter auch „trockene“ Gelenke
  • Bewegungsunwillen, klammer Gang, Vermeiden bestimmter Bewegungen wie Wendungen
  • Bewegungseinschränkungen beim Aufstehen oder Hinlegen
  • Heiße, angeschwollene und schmerzende Gelenke sind eventuell ein Hinweis auf eine entzündete Arthrose (= Arthritis)
  • Besonders auffällig ist bei Arthrose-Pferden das sogenannte „Einlaufen“. Stehen die Pferde länger oder beginnen sie gerade mit der Bewegung, laufen sie steif oder lahmen sogar. Nach kurzer Bewegung ist die Lahmheit schwächer. Meist läuft das Pferd sich mit zunehmender Bewegungsdauer ein und zeigt dann oftmals wieder einen völlig normalen Bewegungsablauf.

Richtig vorbeugen

Arthrose ist eine Verschleiß-Erkrankung, die mit folgenden Methoden vorgebeugt werden kann.

Fohlen und Jungpferde:

    • regelmäßige Hufbearbeitung
    • ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen
    • freie Bewegung (Koppel, Laufstall)
    • keine Fütterung für schnelles Wachstum
    • kein zu intensives Antrainieren

Jungpferde bis Rentner:

  • regelmäßige Hufbearbeitung
  • nur so viel Kraftfutter füttern, wie auch durch Arbeit verbraucht wird
  • ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen
  • Art- und altersgerechte Ausbildung: Weniger ist mehr, Pferde können bis zum 7. Lebensjahr wachsen und sich entwickeln.
  • Regelmäßige, ruhige Bewegung: In der Natur geht ein Pferd bis zu 16 Stunden im Schritt geradeaus vorwärts.
  • keine Extrembewegungen provozieren
  • ausreichend lange Aufwärmphase (mind. 20 Minuten im Schritt)

Nicht bewegen ist Gift

Wenn das Pferd jedoch bereits an Arthrose erkrankt ist, ist die Konsequenz nicht, es nicht mehr zu bewegen – das ist die gute Nachricht. Dabei gilt: Je früher die Arthrose erkannt und behandelt wird, desto länger kann man die Lebensqualität des Pferdes erhalten. Die Therapie ist ein Zusammenspiel aus Bewegungs- und Fütterungsmanagement. Der wichtigste Leitsatz lautet: Bewegung, Bewegung und nochmals Bewegung. Bei der Fütterung sollte darauf geachtet werden, dass die Ration nicht zu viel Eiweiß, Kohlenhydrate und Zucker (Melasse) enthält – die Stoffwechselprodukte können sich in den Gelenken ablagern.

(Text: Anna Castronovo)