Bodenarbeit: Die richtigen Signale senden

Ob es erste Ausbildungsschritte mit einem jungen Pferd sind, das Vorbereiten auf neue Situationen oder das Erarbeiten von Lektionen – an Bodenarbeit kommt man als Reiter nicht vorbei. Working Equitation-Reiterin Mirjam Wittmann erklärt, wie gute Kommunikation mit dem Pferd aussieht.

Zusammen in eine Richtung: Bodenarbeit kann die Verbindung zwischen Pferd und Reiter stärken. (Foto: Basting)

Für Pferdewirtschaftsmeisterin Mirjam Wittmann ist Bodenarbeit ein großer Bestandteil im Alltag mit den Pferden, denn dabei kann sie die Grundlage für die  Arbeit mit dem Vierbeiner schaffen. Die Rollen in der Beziehung werden definiert und das Vertrauen aufgebaut. Dafür benutzt die Ausbilderin eine Trense, die sie auch zum Reiten benutzen würde. So sind es immer die gleichen Signale, auf die das Pferd reagieren kann. Für junge Pferde kann ein Kappzaum oder Knotenhalfter für die Bodenarbeit benutzt werden.

Mein Tanzbereich, dein Tanzbereich

Als Trainingsort wählt Mirjam Wittmann anfangs den Round Pen – ein runder, eingezäunter Bereich, in dem es für die Pferde keine Ecken zum Flüchten gibt. Dabei ist jedoch Fingerspitzengefühl gefragt: Versteht das Pferd die Signale zunächst nicht, darf es nicht bedrängt werden.

Die Verbindung steht: Hat die Vorarbeit geklappt, folgt das Pferd Mirjam Wittmann wie von selbst.

Bereits das Aufwärmen im Schritt nutzt Mirjam Wittmann als Übung, um erste Regeln festzulegen – überholt das Pferd sie, dreht sie sich zu ihm um, macht sich groß und schickt es zurück. Sobald sie dem Pferd ihren Körper zuwendet und ihn anguckt, dann bedeutet das „Komm mir nicht zu nahe!“ – die Bodenarbeit funktioniert also über die eigene Körpersprache. Wenn sie dem Pferd nun wieder den Rücken zudreht, sollte es folgen, auch ohne, dass dabei die Zügel in der Hand gehalten werden. Das sollte auf beiden Händen klappen, bevor man mit der  Arbeit fortfährt.

Mirjam Wittmann streicht das Pferd mit der Gerte ab.

Als Hilfsmittel benutzt Mirjam Wittmann eine Gerte, mit der sie das Pferd zunächst vertraut macht, indem sie den Körper des Vierbeiners damit abstreicht. „Das Pferd soll wissen, dass es mir vertrauen kann und ich die Gerte nicht zur Bestrafung einsetzen werden“, erklärt die Ausbilderin. Das Abstreichen wird dann als Lob empfunden. „Ich klopfe mein Pferd eigentlich nie am Hals, wie man es oft sieht. Das Klopfen wird nicht als Bestätigung empfunden. Pferde, die sich mögen berühren sich sanft und ich möchte ja der Freund meines Pferdes sein“, gibt Mirjam Wittmann zu bedenken.

Der Weg ist das Ziel

Die Arbeit beginnt damit, dass die Mannschafts-Weltmeisterin der Working Equitation sich an der linken Körperhälfte des Pferdes auf Schulterhöhe positioniert, den Zügel mit der linken Hand wie beim Reiten greift und in der rechten Hand die Gerte als treibendes Hilfsmittel in Richtung Hinterhand hält. Auf der anderen Hand wäre es entsprechend umgekehrt. Ihr Oberkörper zeigt in Richtung des Pferdekopfes, ihr Blick ist auf das Ziel gerichtet, das sie ansteuert. Als Orientierungspunkte verteilt sie Pylonen im Round Pen, um diese kann sie dann Wendungen oder Volten anlegen. Das Pferd neigt dazu, größere Wege zu wählen, mit den Pylonen kann der Weg besser kontrolliert werden.

Die Bodenarbeit sollte jedoch langsam angegangen werden – eine halbe Stunde sollte die Trainingseinheit nicht überschreiten, denn die Kommunikation erfordert ein hohes Maß an Konzentration, sowohl beim Zwei- als auch beim Vierbeiner.

(Fotos: Basting)